Der neue Reisetrend „Coolcation“
Die Sommer werden immer heißer. Dabei mehren sich die Hitzewellen nicht nur bei uns, sondern erst recht in Italien, Spanien, Portugal und den anderen typischen Urlaubsländern im Süden Europas. Immer mehr Deutsche verbringen ihre Sommerferien deshalb lieber im Norden als im Süden. Bei dieser Art von Urlaub wird auch von Coolcation gesprochen.

Doch was hat es mit diesem neuen Reisetrend auf sich?:
Große Hitze ist in Europa längst keine Seltenheit mehr. Deshalb haben immer weniger Deutsche Lust, im Sommerurlaub gen Süden zu reisen, um sich dort noch höheren Temperaturen auszusetzen.
Um der Hitze zu entkommen, fahren sie stattdessen lieber in den Norden. So zum Beispiel nach Dänemark, Norwegen oder Schweden.
Diese Flucht vor der Hitze ist nicht nur ein echter Reisetrend geworden, sondern hat sogar einen eigenen Namen bekommen. Er nennt sich Coolcation, eine Zusammensetzung aus den englischen Wörtern cool für kühl und vacation für Urlaub.
Im Deutschen wird manchmal auch vom Übersommern gesprochen, gewissermaßen als Gegenstück zum beliebten Überwintern in warmen Gefilden.
Inhalt
Eindeutige Zahlen zum Reisetrend
Für die Coolcation als neuen Reisetrend gibt es sogar wissenschaftliche Belege. Laut einer entsprechenden Untersuchung der Europäischen Union hat sich die Tourismusnachfrage dahingehend verändert, dass ein deutliches Nord-Süd-Muster zu erkennen ist.
Demnach kommt den nördlichen Regionen der Klimawandel zugute, während die Nachfrage nach touristischen Angeboten in den südlichen Regionen spürbar zurückgeht.
Die Studie zieht als weiteres Fazit, dass sich der Trend zur Coolcation umso stärker ausprägen wird, je heißer es in Zukunft wird. Es scheint also ziemlich wahrscheinlich, dass deutsche Urlauber künftig öfter und länger am Stück in den Norden reisen werden.
Dass die Nachfrage nach einer längeren Auszeit in kühleren Gefilden steigt, belegen auch die Zahlen von Reise- und Ferienhausportalen.
So suchten Reisewillige für den Sommer 2025 um rund 30 Prozent häufiger nach einem vierwöchigen Urlaub in Schweden als noch im Vorjahr. Das Suchvolumen für einen längeren Aufenthalt in Dänemark klettere im Jahresvergleich sogar um 35 Prozent nach oben.
Auch die Betreiber der Plattformen bestätigen, dass die Coolcation ein Reisetrend ist und sich weiterentwickelt. Die zunehmenden Hitzewellen veranlassen viele Reisende zu der Überlegung, zumindest einen Teil des Sommers in Regionen zu verbringen, in denen das Klima angenehmer ist.
So ist analog zum Überwintern im warmen Süden das Phänomen des Übersommerns im kühlen Norden entstanden.
Vom Trend zur Coolcation profitieren nicht nur Skandinavien und andere Länder im Norden Europas. Auch die Ostsee und die Atlantikküste haben sich in diesem Jahr zu beliebten Zielen von Langzeitferiengästen entwickelt.
Analysen der Reise- und Ferienhausplattformen zufolge erhöhten sich die Suchanfragen für mehrwöchige Aufenthalte an der Ostsee im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Doppelte.
Für Reiseziele im Westen der Bretagne schoss die Anzahl der Suchanfragen sogar um rund 160 Prozent nach oben.
Ein Grund dafür ist, dass die Lebenshaltungskosten in Ländern wie Frankreich niedriger sind als in den skandinavischen Ländern.
In Zeiten, in denen die Wirtschaft schwächelt und unklar ist, welche Folgen die geopolitischen Krisen noch haben werden, möchten die Leute zwar einerseits verreisen, andererseits ihr Budget aber auch nicht überstrapazieren und ihr Geld zusammenhalten.
Dieser Einfluss bei der Wahl des Reiseziels äußert sich dann darin, dass das Interesse an der Ostsee oder der Bretagne noch größer ist als an Dänemark und Schweden.
Ein weiterer Aspekt, der bei der Coolcation eine Rolle spielt, sind die Aktivitäten, die vor Ort geplant sind. Viele Urlauber möchten die Zeit nicht nur am Strand verbringen, sondern Ausflüge in die Natur unternehmen, wandern, Städte erkunden und Sehenswürdigkeiten besichtigen.
Führt die Reise in den Norden, müssen wir uns keine Sorgen machen, dass Waldbrände wüten oder Sehenswürdigkeiten wegen extremer Hitze geschlossen bleiben. Im Süden hingegen nehmen solche Risiken zu.

Nicht auf Kosten der Umwelt
Die Reiseziele, die zu den Favoriten für eine Coolcation gehören, sehen den Reisetrend derzeit noch gelassen. Einige von ihnen werben sogar ganz bewusst und aktiv damit, erfrischende Urlaubsorte zu bieten.
In diesem Zusammenhang dürfte die staatliche Tourismusagentur Schwedens zu den Vorreitern gehören.
Ihr gezieltes Marketing hat zur Folge, dass sie unter dem Label „Visit Sweden“ ganz oben in den Suchergebnissen erscheint, wenn wir in den Suchmaschinen nach Coolcation suchen.
Allerdings werden auch kritische Stimmen laut. So gibt es Bedenken, ob es aus moralischer Sicht vertretbar ist, aus dem Klimawandel Gewinne erzielen zu wollen.
Dazu kommt die Sorge, dass viele Touristen die Umwelt schädigen und den Klimawandel noch weiter vorantreiben könnten. Reisen sie zum Beispiel per Flugzeug an, könnten einige Landschaften, die das Reiseziel eigentlich ausmachen, irreparablen Schaden nehmen.
Das betrifft etwa schmelzende Gletscher, alpine Regionen oder bislang unberührte Gebiete. Zumal deutlich mehr Touristen auch eine weiter ausgebaute Infrastruktur notwendig machen können.
Für eine nachhaltiger ausgestaltete Coolcation kann die Anreise mit dem Bus oder dem Zug und der Fähre anstelle des Fliegers erfolgen. Vor Ort können öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad das Auto ersetzen.
Auch das Angebot an umweltfreundlichen Ferienunterkünften ist inzwischen groß. Es lohnt sich also, genauer hinzusehen.
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