Wie wurde der Tourismus eigentlich erfunden?

Wie wurde der Tourismus eigentlich erfunden?

Vielen von uns ist es wichtig, regelmäßig zu verreisen und neue Orte kennenzulernen. Doch das war nicht immer so. Den Tourismus, wie wir ihn heute kennen, gibt es in Deutschland erst seit dem 19. Jahrhundert. Aber wie kam es eigentlich dazu? Wie wurde der Tourismus erfunden? Wohin reisten die Menschen damals? Und hatte der Tourismus auch schon in seinen Anfängen Schattenseiten? Begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise!

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Wie wurde der Tourismus eigentlich erfunden

Reisen als neues Phänomen

Den Urlaub für eine Urlaubsreise zu nutzen, gehört für viele von uns einfach dazu. Über 54 Millionen Deutsche verreisen mindestens einmal im Jahr. Dabei sind Touren im eigenen Land sehr beliebt. Aber auch Spanien, Italien, Skandinavien und die Türkei werden gerne bereist.

Für uns ist es kaum vorstellbar, dass es Zeiten gab, in denen der Tourismus in seiner heutigen Form gar nicht existierte. Die Idee, aus reinem Privatvergnügen zu verreisen, entstand hierzulande aber erst im 19. Jahrhundert.

Menschen waren natürlich schon seit jeher auf der Erde unterwegs. Wenn sie zum Beispiel Arbeit suchten, Hunger litten oder flüchten mussten, packten sie ihre Habseligkeiten zusammen und zogen weiter. Außerdem gab es gewisse Praktiken, die in gewisser Weise Vorläufer des Tourismus waren.

Dazu gehören etwa die Weltreisen der Entdecker, religiöse Pilgerreisen oder die Reisen junger Adliger, die als Grand Tour bezeichnet werden.

Aber dass größere Massen an Leuten ausschließlich zum persönlichen Vergnügen reisen, also Reisen des Reisens wegen, war ein neues Phänomen im 19. Jahrhundert.

Großen Anteil daran hatten die Veränderungen, die die Moderne mit sich brachte. Durch die Entstehung der Eisenbahn, den kontinuierlichen Ausbau des Schienennetzes und auch die Dampfschifffahrt entstanden ganz neue Möglichkeiten.

Selbst weiter entfernte Orte konnten nun in deutlich kürzerer Zeit erreicht werden. Im Unterschied zu Fahrten mit der Kutsche, die bis dahin das einzige Fortbewegungsmittel gewesen war, wurde das Reisen jetzt außerdem wesentlich bequemer und sicherer.

Zunächst der Adel und das Bürgertum

Anfangs blieb das Reisen in erster Linie der Aristokratie und dem Großbürgertum vorbehalten. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts entdeckten dann auch das Mittel- und teils das Kleinbürgertum touristische Reisen für sich.

Doch bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieben Urlaubsreisen ein bürgerliches Phänomen. Die Arbeiterklasse konnte sich das Reisen finanziell einfach nicht leisten. Außerdem hatten Arbeiter im 19. Jahrhundert meist auch noch keinen (bezahlten) Urlaub.

Schon damals Marketing

Genau wie heute spielten auch für den Tourismus im 19. Jahrhundert die Medien eine wichtige Rolle. Reiseführer, Illustrierte und Postkarten erzeugten Bilder und weckten Sehnsüchte und Erwartungen. Damit erwachte auch der Wunsch, diese Orte oder Ziele überhaupt besuchen und erkunden zu wollen.

Ein prominentes Beispiel an dieser Stelle ist der berühmte Baedeker-Reiseführer, der zu dieser Zeit erfunden wurde. Er beschrieb nicht nur Reiseziele, sondern ließ durch die Vergabe von Sternen auch touristische Hierarchien entstehen.

Dabei war das Spektrum an möglichen Reisezielen schon damals groß. So gab es zum einen den Tourismus in Großstädten wie Berlin, Dresden oder Köln. Zum anderen waren klassische, oft national aufgeladene Landschaften wie der Rhein, die Mosel oder der Harz beliebte Ziele.

Ergänzt wurde die Palette durch bekannte Kurstädte wie Baden-Baden oder Wiesbaden. Hoch im Kurs standen außerdem die vielen Seebäder an der Nord- und der Ostsee sowie Ziele auf dem Land, die als Sommerfrischen bezeichnet wurden.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erlebte dann auch der Wintersport-Tourismus einen echten Boom.

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Privatwirtschaftliche Tourismusförderung

In unseren Nachbarländern wie Frankreich, Österreich oder der Schweiz wurde der Tourismus von staatlicher Seite gefördert. Im Kaiserreich hingegen machten sich bestenfalls einzelne Bundesstaaten wie Bayern oder die föderal organisierten Eisenbahngesellschaften für den Tourismus stark.

Die Förderung erfolgte in erster Linie durch private Akteure. So schlossen sich zum Beispiel Hoteliers und Gastronomen, die schon früh vom Tourismus profitierten, überwiegend lokal auf zivilgesellschaftlicher Ebene zu sogenannten Verkehrsvereinen oder Vereinen zur Hebung des Fremdenverkehrs zusammen.

Von solchen Vereinen gab es im Kaiserreich fast 300 Stück.

Die Vereine wurden später durch Zusammenschlüsse auf Landesebene ergänzt, so zum Beispiel in Bayern und Sachsen. Im Jahr 1902 erfolgte schließlich die Gründung vom Bund Deutscher Verkehrsvereine.

Als nationaler Dachverband wurde er schnell zur maßgeblichen Instanz für die Förderung des Tourismus im Kaiserreich.

Schon damals Schattenseiten

Bereits in den Anfangszeiten funktionierten viele touristische Ziele nur, weil Dienstleister wie Laufburschen und Zimmermädchen unter sehr schwierigen Arbeitsbedingungen und für eine niedrige Entlohnung beschäftigt wurden.

Außerdem kamen schon im Kaiserreich Diskussionen über die ökologischen Kosten des Tourismus auf. Auch der sogenannte Overtourism war ein Thema, wenn zum Beispiel massenweise Großstädter kleinere Sommerfrischen bevölkerten.

Daneben gab es seinerzeit schon Rassismus und soziale Ausgrenzung. Ein besonders drastisches Beispiel dafür ist der sogenannte Bäder-Antisemitismus. So warben einzelne Seebäder an der Nord- und Ostsee damit, „judenfrei“ zu sein.

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Martin Schuster -Reisekaufmann, Timo Kropp - Reiseveranstalter und Marie Kusche - freiberufliche Reisejournalistin und Backpacker, sowie Christian Gülcan, Betreiber und Redakteur dieser Webseite, schreiben hier Wissenswertes, Tipps und Ratgeber zu Busreisen, Urlaub, Reisezielen und Sehenswürdigkeiten.

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